Wenn es draussen heiss wird, bekomme ich immer wieder ähnliche Nachrichten von Kundinnen und Kunden.
„Mein Hund frisst plötzlich schlechter.“
„Er schläft viel mehr als sonst.“
„Sie reagiert draussen schneller auf andere Hunde.“
„Er wirkt unruhiger.“
„Der Kot ist weicher.“
„Sie zieht sich mehr zurück.“
„Irgendwie ist er anders als sonst.“
Oft entsteht dann schnell Unsicherheit. Man sucht nach einem Auslöser. War es das Futter? War der Spaziergang zu kurz? Ist der Hund gelangweilt? Braucht er mehr Beschäftigung? Oder steckt vielleicht ein gesundheitliches Thema dahinter?
Natürlich ist es wichtig, aufmerksam zu bleiben. Wenn ein Hund stark verändert wirkt, Schmerzen zeigt, erbricht, Durchfall hat, apathisch ist oder andere deutliche Symptome zeigt, sollte immer tierärztlich abgeklärt werden.
Gerade im Sommer lohnt es sich aber, noch eine andere Frage zu stellen:
Ist mein Hund vielleicht einfach überlastet?
Denn Hitze ist viel mehr als warmes Wetter. Hitze ist Stress für den gesamten Organismus.

Hitze belastet das ganze System
Hitze wirkt auf den ganzen Hund.
Der Körper muss mehr leisten, um die Temperatur zu regulieren. Der Kreislauf ist stärker gefordert. Die Atmung verändert sich.
Gleichzeitig kann auch das Nervensystem empfindlicher werden. Ein Hund, der körperlich mit der Hitze beschäftigt ist, hat oft weniger Kapazität für Reize, Impulskontrolle, Frustration oder soziale Situationen.
Das bedeutet: Ein Hund, der an normalen Tagen gut mit Umweltreizen umgehen kann, kann bei Hitze plötzlich schneller reagieren. Er bellt vielleicht schneller. Er zieht mehr an der Leine. Er ist ungeduldiger. Er lässt sich schlechter ansprechen. Oder er sucht bewusst mehr Abstand und Ruhe.
Das ist ein wertvoller Hinweis darauf, dass sein System gerade näher an der Grenze ist.
Wenn das Nervensystem weniger Kapazität hat
Ich stelle mir das Nervensystem gerne wie ein inneres Fass vor. Jeder Reiz füllt dieses Fass ein wenig: Geräusche, Begegnungen, Gerüche, Bewegung, Schmerzen, Verdauung, Hormone, Emotionen, Unsicherheit und Erwartungen von uns Menschen.
Hitze ist ein zusätzlicher grosser Faktor.
Wenn es sehr warm ist, ist dieses Fass bei vielen Hunden schon deutlich voller, bevor der Spaziergang überhaupt beginnt. Dann reicht manchmal ein kleiner zusätzlicher Reiz, und der Hund reagiert stärker als sonst.
Vielleicht reicht ein vorbeifahrendes Velo.
Ein anderer Hund auf der anderen Strassenseite.
Ein Mensch, der zu nah kommt.
Ein lautes Geräusch.
Oder einfach die Erwartung, normal funktionieren zu müssen.
Aus dieser Perspektive sehen viele Situationen plötzlich anders aus.
Der Hund hat vielleicht einfach weniger Regulationsfähigkeit zur Verfügung. Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Unterstützung.
Auch unsere eigene Anspannung spielt eine Rolle
Was wir oft vergessen: Unsere Hunde nehmen sehr fein wahr, wie es uns geht.
Wenn wir an heissen Tagen selbst müder, gereizter, ungeduldiger oder innerlich angespannter sind, beeinflusst das auch unsere Hunde. Unsere Atmung, unsere Körperspannung, unsere Stimme, unser Tempo und unsere Erwartungen wirken auf ihr Nervensystem.
Das bedeutet: Wir sind miteinander verbunden. Und manchmal startet unser Hund auch deshalb aus einem höheren Stresslevel, weil das ganze gemeinsame System angespannter ist.
Gerade deshalb ist es im Sommer so wertvoll, den Hund über unsere eigene Ruhe mit zu unterstützen und selbst langsamer zu werden.
Bei Hitze geht es um Entlastung
Bei Hitze darf ein Hund langsamer leben. Er darf mehr schlafen, kühlere Orte aufsuchen, Pausen machen und durch einen Tag begleitet werden, der seinem Körper und Nervensystem entspricht.
Viele Menschen möchten ihrem Hund auch an heissen Tagen Abwechslung, Freude und gemeinsame Zeit schenken. Das ist ein schöner Impuls. Die Frage darf sich bei Hitze jedoch verändern:
Was kann ich heute vereinfachen, damit mein Hund mehr Kapazität hat?
Stark aktivierende Beschäftigungen wie Ballwerfen können viele Hunde in hohe Erregung bringen. Bei Hitze ist es besonders wertvoll, Aktivitäten zu wählen, die den Körper schonen und das Nervensystem eher regulieren als zusätzlich aktivieren.
Deshalb ist mein Gedanke bei Hitze:
Bewusster begleiten. Feiner wahrnehmen. Mehr Raum für Regulation schaffen.
Trust Technique®: gemeinsame Ruhe statt Beschäftigung
Eine wunderbare Möglichkeit, diese Haltung im Alltag umzusetzen, ist die Trust Technique.
Sie schenkt dir und deinem Hund gemeinsame Zeit, ohne zusätzliche Aktivierung. Sie ist eine Form von bewusster Präsenz, feiner Verbindung und gemeinsamer Ruhe. Der Fokus liegt darauf, zusammen in einen ruhigeren Zustand zu finden und dem Hund Raum für Sicherheit, Entspannung und Vertrauen zu geben.
Gerade bei Hitze kann das besonders wertvoll sein. Wenn der Körper bereits mit der Temperaturregulation beschäftigt ist, profitiert das Nervensystem von Entlastung, Ruhe und Präsenz.
Eine kurze Trust Technique Session kann deinem Hund helfen, zur Ruhe zu kommen, während er einfach sein darf. Gleichzeitig kann sie auch dich selbst entschleunigen.
Der Fokus darf sich verschieben: von Beschäftigung zu Verbindung, von Aktivität zu Präsenz, von Machen zu gemeinsamem Sein.
Für viele Hunde ist genau das wertvoller als ein zusätzlicher Spaziergang. Denn echte Ruhe ist Regulation.
Was deinem Hund an heissen Tagen wirklich helfen kann
Natürlich gibt es praktische Dinge, die bei Hitze wichtig sind. Auch hier geht es für mich darum, bewusst zu beobachten, was deinem Hund wirklich guttut.
1. Spaziergänge einfacher und ruhiger gestalten
Wähle die kühleren Tageszeiten: früh morgens oder spät abends. Gehe kürzer, langsamer und ruhiger.
Ein Spaziergang bei Hitze darf eine einfache, entspannte Runde sein. Weniger Distanz. Weniger Tempo. Weniger Reize.
Wenn dein Hund schnüffeln möchte, lass ihn schnüffeln. Wenn er früher umdrehen möchte, nimm das ernst. Wenn er Schatten sucht, folge ihm.
Gerade bei Hitze ist es wertvoll, dem Hund mehr Mitspracherecht zu geben.
2. Leichtere Situationen wählen
Wenn du weisst, dass dein Hund bei Begegnungen, Verkehr, Kindern, anderen Hunden oder bestimmten Orten schnell gestresst ist, dann ist ein heisser Tag ein guter Moment für leichtere Wege, ruhigere Zeiten und mehr Abstand.
Das ist gutes Management.
Ein belastetes Nervensystem lernt leichter, wenn es zuerst wieder Sicherheit erleben darf.
3. Kühle Orte anbieten und die Wahl beim Hund lassen
Manche Hunde lieben Kühlmatten. Andere meiden sie. Manche liegen gerne auf Fliesen. Andere suchen lieber einen schattigen Teppichplatz. Manche mögen einen Ventilator mit Abstand. Andere finden Luftbewegung unangenehm.
Biete Möglichkeiten an und lass deinen Hund wählen.
Ein sicherer Ort ist kühl, ruhig und frei von ständiger Ansprache oder Erwartung.
4. Wasser und Abkühlung bewusst nutzen
Frisches Wasser sollte immer verfügbar sein. Manche Hunde trinken bei Hitze mehr, andere eher zu wenig. Beobachte deinen Hund aufmerksam und biete Wasser regelmässig an.
Wenn dein Hund Wasser liebt, kann Planschen oder Schwimmen eine schöne Abkühlung sein. Auch hier ist Achtsamkeit wichtig.
Achte darauf, wo dein Hund ins Wasser geht. Gerade bei hohen Temperaturen können sich in stehenden oder langsam fliessenden Gewässern sogenannte Blaualgen bilden. Blaualgen sind eigentlich Cyanobakterien. Manche können Giftstoffe produzieren, die für Hunde sehr gefährlich und sogar lebensbedrohlich sein können.
Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn Wasser grünlich, trüb, schleimig oder übel riechend wirkt, wenn sich Schlieren auf der Oberfläche bilden oder wenn ein See oder Teich sehr warm und unbewegt ist.
Hunde sind gefährdet, weil sie Wasser schlucken, daraus trinken oder sich nach dem Baden das Fell ablecken.
Wenn du deinem Hund Abkühlung im Wasser ermöglichen möchtest, wähle möglichst klare, saubere Gewässer. Fliessendes Wasser, zum Beispiel ein sauberer Bach oder Fluss, ist oft die bessere Wahl, weil sich Blaualgen dort deutlich seltener stark vermehren als in warmen, stehenden Gewässern.
Wenn dir das Wasser auffällig vorkommt, wähle für deinen Hund lieber eine andere Form der Abkühlung.
5. Fütterung passend gestalten
Viele Hunde fressen bei Hitze weniger. Das kann eine normale Reaktion auf die zusätzliche Belastung sein, solange der Hund sonst wach, ansprechbar und stabil wirkt.
Es kann helfen, Mahlzeiten in kühlere Tageszeiten zu legen und den Hund in einem ruhigen Zustand zu füttern. Bei sensiblen Hunden ist es sinnvoll, in Hitzeperioden bei bewährten, gut verträglichen Mahlzeiten zu bleiben und die Verdauung zu entlasten.
Wenn es ein Notfall wird
Bei starker Überhitzung oder Hitzschlag zählt jede Minute.
Warnzeichen können sein: starkes oder unkontrolliertes Hecheln, Schwäche, Taumeln, sehr rote oder blasse Schleimhäute, Erbrechen, Durchfall, Zittern, Unruhe, Desorientierung, Kollaps oder Bewusstlosigkeit.
Wenn du den Verdacht hast, dass dein Hund überhitzt ist, bring ihn sofort aus der Hitze, beginne mit dem Kühlen und kontaktiere umgehend eine Tierarztpraxis.
Zusätzlich kann der Ohren-TTouch in einer Notfallsituation unterstützend sein. Er kann das Nervensystem und den Kreislauf unterstützend begleiten und dem Hund helfen, in einer belastenden Situation mehr Halt zu finden.
Die eigentliche Frage bei Hitze
Bei Hitze liegt die grösste Unterstützung oft in den kleinen Entscheidungen: eine ruhigere Runde, mehr Abstand, ein kühlerer Ort, weniger Erwartungen.
Die Frage ist nicht, wie viel dein Hund noch schaffen kann, sondern was ihm heute hilft, leichter durch den Tag zu kommen.
Manchmal ist die Antwort sehr einfach:
Weniger. Langsamer. Ruhiger. Sanfter.
Wenn du spürst, dass dein Hund bei Hitze mehr Unterstützung braucht, begleite ich euch gerne mit einem ganzheitlichen Blick auf Ernährung, Nervensystem, Körper und Alltag.




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